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Filesharing – Abmahnung weiterer Sprachfassungen (bspw. Englisches Original) durch deutschen Rechteinhaber möglich
Filesharing|FAQ

Filesharing – Abmahnung weiterer Sprachfassungen (bspw. Englisches Original) durch deutschen Rechteinhaber möglich

Viele Abgemahnte haben nicht die deutsche, sondern eine andere Sprach-Version eines Filmes heruntergeladen. Hier kommt immer wieder die Frage auf, kann der deutsche Rechteinhaber eine englische Sprachfassung des Films oder der Serie abmahnen. Diese Frage taucht bspw. bei den Abmahnungen der Kanzlei Sasse und Partner für die Serie „The Walking Dead“ oder bei den Abmahnungen der Kanzlei Waldorf Frommer für die Serie „How I Met Your Mother“ auf. Eindeutig ist, dass der Lizenzinhaber abmahnen kann, wenn er die Rechte für mehrere Sprachfassungen (z.B. für die englische Originalfassung) besitzt. Unter welchen Voraussetzungen der deutsche Rechteinhaber auch weitere Sprachfassungen abmahnen kann, ist rechtlich umstritten.

Wenn ein Lizenzinhaber eines Filmes sichergehen will, dass sein exklusives Verwertungsrecht weitere Sprachfassungen oder andere Nutzungsarten im Vertragsgebiet beinhaltet, dann muss er dies im Lizenzvertrag ausdrücklich regeln, entschied das OLG Köln (Beschluss v. 23.09.2013, Az.: 6 W 254/12).

Ausschließliche Lizenz für englische Originalfassung und deutsche Sprachfassung

Im vorliegenden Fall klagte ein Film-Rechteinhaber, der für Deutschland ein ausschließliches Recht zur Verwertung dieses Filmes unter anderem im Kino-, Video- und Onlinebereich für die englische Originalfassung sowie für die deutsche, flämische und holländische Sprachfassung besitzt. Der Beklagte hatte den Film in einer russischen Sprachfassung zum Download bereitgestellt.

Vorgehen gegen weitere Sprachfassungen nur bei wirtschaftlicher Beeinträchtigung

Der Senat stellte grundsätzlich klar, dass ein dem Rechteinhaber innewohnendes Verbietungsrecht in besonderen Fällen über das bestehende vertraglich eingeräumte Nutzungsrecht hinausgehen kann, wenn dies erforderlich scheint, um die Nutzungsbefugnis zu dem nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch wirksam zu schützen. Ein Rechteinhaber könne dann auch gegen die unberechtigte Nutzung des Werks in einer konkurrierenden Nutzungsart vorgehen, wenn diese unmittelbar wirtschaftlichen Einfluss auf die an ihn lizenzierte Verwertung hat und deshalb seine materiellen Interessen betroffen sind.

Russische Sprachfassung in Deutschland nicht wirtschaftlich relevant

Bei einer russischen Sprachversion sei dies aber nicht der Fall. Auf Grund der eher geringen Zahl derer, die in Deutschland an rein russischen Sprachfassungen interessiert seien, sei keine relevante wirtschaftliche Beeinträchtigung der eingeräumten Verwertungsrechte erkennbar.

Lizenzvertrag muss ausdrückliche Regelungen enthalten

Wenn auch weitere Sprachfassungen oder andere Nutzungsarten im Vertragsgebiet geschützt werden sollen, dann hätte dies im Lizenzvertrag ausdrücklich geregelt werden müssen. Zumindest hätte der Lizenzvertrag eine ausdrückliche Verpflichtung enthalten sollen, in Deutschland keine weiteren Sprachversionen auszuwerten.

Fazit

Es ist grundsätzlich möglich, dass ein Film-Rechteinhaber gegen die unberechtigte Nutzung seines Werkes vorgeht, auch wenn dieses in einer anderen Sprachfassung genutzt wird und diese nicht ausdrücklich im Lizenzvertrag enthalten sind. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn dadurch die  materiellen Interessen des Rechteinhabers betroffen sind. Jedenfalls die englische Version wird daher stets geschützt sein, da die Version wegen der weiten Verbreitung der englischen Sprache in Deutschland wirtschaftlich äußerst relevant ist.

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gulden röttger rechtsanwälteKanzlei für Urheber- und Medienrecht *2005 Geistiges Eigentum Reputation MedienAnonym hat 4,89 von 5 Sternen316 Bewertungen auf ProvenExpert.com