Künstliche Intelligenz und Recht - CLAUDETTE

"Wenn „CLAUDETTE“ die AGBs prüft"

Ein Team italienischer Forscher hat einen Algorithmus entwickelt, der das übernimmt, was Juristen mit am meisten Zeit kostet: Datenschutzrichtlinien und andere, seitenlange Klauseln prüfen. Ein Blick in die Zukunft des juristischen Arbeitens.

„CLAUDETTE“ – kurz für „automated CLAUse DETecTEr“ ist der Name eines Projekts des European University Institutes. Ein Team italienischer Forscher, unter anderem bestehend aus Giovanni Sartor, einem Professor für Rechtsinformatik an der Universität Bologna, hat etwas Zukunftsweisendes entwickelt. Mit Hilfe ihres Tools lässt sich überprüfen, ob AGBs im Internet (Ich habe gelesen und akzeptiere…) mit einschlägigem EU-Recht vereinbar ist. Copy und Paste, kurz warten und das Programm teilt dem Nutzer mit, welche Klauseln potentiell gegen geltendes Recht verstoßen. (uTerms)

Was bisher Stunden wertvoller Arbeitszeit gekostet hat, lässt sich damit innerhalb weniger Minuten erledigen. Zugegebenermaßen ist das vorgestellte Tool noch auf ein spezifisches Einsatzfeld beschränkt.

Die Arbeitsweise des Algorithmus ist aber das, was das Arbeiten im rechtlichen Bereich nachhaltig verändern wird. Die Forscher setzen bei Ihrem Projekt auf „Machine Learning“, selbstlernende Computerprogramme.

Der Unterschied zum bisherigen „Legal Tech“ ist gewaltig. Juristen, die Normen bisher automatisiert prüfen lassen wollten, mussten dem Computer alle Regeln per Hand beibringen. Das Gesetz musste quasi in eine maschinenlesbare Sprache übersetzt werden. Ein extrem großer Aufwand, wenn man bedenkt, wie viele Querverweise schon recht unkomplizierte Rechtsnormen aufweisen – von dazu gültiger Rechtsprechung einmal ganz abgesehen.

Der neue Ansatz, Computer mit Rechtsnormen zu füttern, geht nicht von der Norm selbst aus. Stattdessen werden zahlreiche Beispiele für rechtskonforme und rechtswidrige AGBs ins System gespeist. Diese wurden vorher von „echten“ Anwälten händig analysiert. Anhand der Beispiele bringt sich der Algorithmus die Regeln dann selbst bei. 50 Beispiele händig analysiert, das 51. übernimmt der Computer. Ein weiterer Vorteil dieser Funktionsweise: Mit jedem neuen Beispiel wird das Programm genauer.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, auszutesten, bis zu welchem Ausmaß es möglich ist, Datenschutzrichtlinien und AGBs auf Verstöße gegen das EU-Recht automatisch prüfen zu lassen. Das bisherige Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist ein Beispiel dafür, wie Mensch und Maschine sich im Arbeitsalltag der Zukunft ergänzen können.