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Aurous: Nutzung legal oder illegal - hohe Abmahngefahr für Nutzer der Spotify „Alternative“?
Urheberrecht|FAQ

Am 10.10.2015 soll der Musik-Dienst „Aurous“ veröffentlicht werden. Man spricht von einer kostenlosen Spotify Alternative, die ähnlich wie Popcorn Time funktionieren soll. Insbesondere die graphische Oberfläche bietet einige Parallelen zu Spotify - professionell und für den User einfach zu Händeln. Aus anwaltlicher Sicht kann man nur sagen, Vorsicht bei der Nutzung von Aurous, solange nicht im Detail bekannt ist, wie Aurous technisch funktioniert.

Update vom 15.10.2015 - Aurous ist auf dem Markt und alles ist anders

Vor Veröffentlichung der Software von Aurous (10.10.2015) hieß es bei TorrentFreak, Aurous würde ähnlich wie Popcorn Time die Torrent-Technologie beim Datentransfer verwenden. Das hätte bedeutet, das der Nutzer auch Dritten die angehörten bzw. runtergeladenen Musikdaten zum Download angeboten hätte. Ein klarer Urheberrechtsverstoß.

Seit dem 10.10.2015 kann jeder die Aurous Software runterladen und verwenden. Entweder hat sich die Funktionsweise geändert oder TorrentFreak lagen damals falsche Informationen vor. Laut Aurous wird die Musik nicht über Tauschbörsen bezogen und transferiert, sondern es werden öffentliche Schnittstellen (API) von "legalen" Quellen wie YouTube, Soundcloud, etc. angezapft. Soweit ich die Erklärung verstehe, sollen nur das Ergebnis der Suche gespeichert und dieses über Torrent verteilt werden und nicht die Dateien selbst. Diese soll der User im Streamingverfahren anhören können. Ein Download der angehörten Dateien ist aber auch möglich.

Aufgrund dieser neuen Informationen wird der nachfolgende Artikel der neuen Situation angepasst.

Bisher ist noch nicht komplett geklärt, ob jetzt oder zukünftig auch Dateien per P2P über Torrent transferiert werden, so dass ich, bis diese Frage endgültig geklärt ist, immer noch ein nicht unbeachtliches Restrisiko sehe.

Revival der Musik-Abmahnungen?

Die Abmahnungen wegen des Downloads / Uploads von Musikstücken oder Alben über Tauschbörsen sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Die Film- und TV-Serien Abmahnungen beherrschen den Markt. 

Warum wird Musik nicht mehr so stark abgemahnt? Das Nutzerverhalten, gerade der jungen Musikhörer, hat sich stark gewandelt. Zum einen wird Musik inzwischen sehr viel über YouTube und andere legale Streaming-Dienste wie bspw. der Platzhirsch Spotify konsumiert und zum anderen werden vermehrt One-Click-Hoster anstatt Tauschbörsen wie Bittorrent zum Download von Musik genutzt. Der reine Download von One-Click-Hostern lässt sich wesentlich schwieriger verfolgen, als der Download über Tauschbörsen, da kein gleichzeitiger Upload stattfindet. Das Projekt „Aurous“ von Andrew Sampson, dem Entwickler der Bittorrent DHT Suchmaschine „Strike“, könnte ein Revival der Musik-Abmahnungen nach sich ziehen, sofern die Torrent-Technologie wie bei Popcorn Time eingesetzt wird..

Aurous, das Popcorn Time für Musik - so wurde es vor der Veröffentlichung angepriesen

Aurous (aurous.me) sollte angeblich nach demselben Prinzip wie das vermeintliche „Streaming“ Programm Popcorn Time funktionieren. Mittels einer dezentralisierten Suchfunktion werden die gewünschten Musikstücke oder Alben im Internet gesucht. Dies scheint auch nach Veröffentlichung der Aurous Software immer noch der Fall zu sein. Diese werden dann hauptsächlich via Bittorrent heruntergeladen und gleichzeitig auch wieder verbreitet - Building a Decentralized BitTorrent Search Engine (blog.aurous.me). 
Dieser Ansatz scheint, wie oben dargelegt, nicht mehr aktuell sein. Angeblich werden die Musikstücke tatsächlich gestreamt.

Upload im Hintergrund, dank Bittorrent unter der Haube?

Falls Aurous in Deutschland ähnlich wie Popcorn Time einschlagen sollte, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass zukünftig wieder wesentlich mehr Musik-Abmahnungen ausgesprochen werden, sofern doch Torrent zum Datentransfer eingesetzt wird. Wenn Musik-Dateien über Aurous mittels Bittorrent heruntergeladen und gleichzeitig wieder (unbemerkt) zum Upload angeboten werden sollten, würde dies eine eindeutige Urheberrechtsverletzung darstellen.

2.000 € Schadensersatz für ein Musikalbum - falls P2P zum Einsatz kommt

Daneben sind die Musik-Abmahnungen für die Rechteinhaber durch die aktuellen BGH Urteile (Aktenzeichen I ZR 19/14, I ZR 21/14 und I ZR 75/14) wesentlich lukrativer geworden. Der BGH hatte entschieden, dass 200 € Schadensersatz pro Song angemessen sind. Dementsprechend können die Rechteinhaber vom Aurous-User für den illegalen Down- und Upload eines Musikalbums mit 10 Titeln bspw. 2.000 € reinen Schadensersatz verlangen. Zum Schadensersatz kommen dann noch Anwaltskosten von 100 € bis 200 € dazu. Vergleichsweise wird für den illegalen Down- und Upload eines Kinofilms regelmäßig „nur“ ca. 600 € Schadensersatz gefordert.

Schadensersatzsummen aus der Praxis:

  • Waldorf Frommer für Sony - 815 € pro Musikalbum
  • Rasch Rechtsanwälte in der Vergangenheit für Universal - 900 € bzw. 1.200 € pro Musikalbum
  • Daniel Sebastian - 600 € für ein Lied

Doch Streaming?

Aurous soll die Streams von YouTube, Soundcloud, Spotify (free), etc. abgreifen und per Stream den Nutzern zur Verfügung stellen. Handelt es sich um ein richtiges Streaming-Angebot, ist die Frage zu klären, ob dies für den Nutzer eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Diese Frage ist umstritten. Bisher existiert zu dieser Frage noch keine höchstrichterliche Rechtsprechung und nur einige wenige unterinstanzliche Urteile, die insbesondere im Zusammenhang mit der RedTube Streamin Abmahnwelle entstanden sind. Aufgrund dessen befindet man sich bei der Nutzung dieser Streaming-Portale noch in einem Graubereich. Meiner Ansicht nach, die der wohl aktuell herrschenden Meinung entspricht, stellt das bloße Anschauen eines solch illegal eingestellten Streaming-Angebotes aufgrund § 44a UrhG (Vorübergehende Vervielfältigungshandlungen) keine Urheberrechtsverletzung dar. Ausführliche Informationen zu dieser Frage findet man hier. 

Schöne Oberfläche - hohe Abmahngefahr?

Ob tatsächlich eine Abmahngefahr bei der Nutzung von Aurous vorliegt, hängt davon ab, wie die Software genau funktioniert. Wenn diese Frage eindeutig geklärt ist, kann man auch die Frage nach der Abmahngefahr beantworten. Die vielen Popcorn Time Abmahnungen zeigen, dass zukünftige Aurous Nutzer in Deutschland sich ebenfalls einer erheblichen Abmahngefahr aussetzen, wenn Aurous doch so funktioniert (Bittorrent unter der Haube), wie ursprünglich von TorrentFreak angekündigt.

 

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