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Texte - Urheberrechtsschutz spiritueller Texte?
Urheberrecht|FAQ

Über diese Rechtsfrage hatte jüngst das OLG Frankfurt am Main zu entscheiden (Urteil vom 13.5.2014, Az. 11 U 62/13). Streitgegenstand waren einige spirituelle Textpassagen, die ein deutscher Verein aus dem Buch "A Course in Miracles" ohne Einwilligung des Rechteinhabers - einer amerikanischen Stiftung – veröffentlicht hatte.

Der Text wurde von einer verstorbenen US-amerikanischen Professorin für Psychiatrie aufgeschrieben und bearbeitet, deren Rechtsnachfolgerin die Stiftung ist. Diese hatte zu Lebzeiten angegeben, der Text sei ihr in Wachträumen von Jesus von Nazareth eingegeben worden.

Urheberschaft an spirituellen Texten

Der Unterlassungsklage der Stiftung hatte das LG Frankfurt stattgegeben. Der beklagte Verein hatte mit der Begründung Berufung eingelegt, dass ein Urheberrecht gar nicht verletzt sein könne, weil die Professorin gar nicht die Urheberin des Textes gewesen sei, sondern Jesus von Nazareth, da diese selbst angegeben hatte, dass der Text das Resultat eines Diktats von Jesus gewesen sei. Der Professorin sei daher lediglich eine Gehilfenstellung zugekommen.

Geistesgestörte, Hypnotisierte und in Trance befindliche Personen als Urheber

Das OLG hat den Urheberschutz für den spirituellen Text bestätigt. Nach allgemein vertretener Auffassung seien jenseitige Inspirationen rechtlich uneingeschränkt ihrem menschlichen Empfänger zuzurechnen, da es für die Begründung von Urheberschutz auf den tatsächlichen Schaffensvorgang - den schöpferischen Realakt - ankomme und der geistige Zustand des Werkschaffenden unerheblich sei. Deshalb könnten auch Geistesgestörte, Hypnotisierte und in Trance befindliche Personen Urheber sein. Die Behauptung, das von einem menschlichen Schöpfer hervorgebrachte Werk verdanke seine Entstehung ausschließlich metaphysischen Einflüssen, stehe einer Zuordnung des Werkes zu seinem menschlichen Schöpfer und der Zubilligung von Urheberrechtsschutz nicht entgegen. Daher sei die Professorin gesetzlich als Urheberin des streitbefangenen Textes anzusehen.

Fazit:

Fernab jeglicher Spiritualität der Parteien, stellt das Urteil eine korrekte juristische Einordnung dar. Selbst wenn die Idee für die Texte tatsächlich von einer übersinnlichen Macht an ihr Medium weitergegeben wurde, so ist Urheber nur derjenige, der sie in seine körperliche Form bringt. Ein Urheberrecht käme Jesus nach deutschem Recht daher nur zu, wenn er den Text selbst geschrieben hätte. Spirituelle Texte können daher ohne Einschränkung urheberrechtlich geschützt sein, wenn sie die nötige Schöpfungshöhe aufweisen.

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