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Recht am eigenen Bild im Fall Kachelmann
Persönlichkeitsrecht|FAQ

Das Recht am eigenen Bild zählt zu den sensibelsten Gebieten des Medienrechts und hat seine Tücken – auch und besonders für Journalisten. Das musste ein Sensationsfotograf erfahren, der einen bekannten Fernsehmoderator beim Hofgang in der Untersuchungshaft fotografiert und die Bilder an Medien weitergegeben hatte.

Das Recht am eigenen Bild stand gegen das Informationsrecht der Öffentlichkeit

Kaum jemand sitzt gerne im Gefängnis. Wenn man prominent ist, kommt zu den sonstigen unangenehmen Umständen noch hinzu, dass eine solche Inhaftierung entsprechende Negativschlagzeilen bewirkt. Diese Erfahrung machte letztes Jahr auch ein bekannter Fernsehmoderator, der sich aber zumindest gegen einen besonders dreisten Sensationsjournalisten juristisch zu wehren wusste.

Ein Knastfoto von einem Promi

Der Journalist und Pressefotograf Fritz S. (Name geändert) berichtete als freier Mitarbeiter eines Medienunternehmens über den Fall des wegen des Verdachts der schweren Vergewaltigung in Untersuchungshaft genommenen Fernsehmoderators. Dabei gelangen ihm von einer Baustelle gegenüber der Haftanstalt Fotos, die den Fernsehmoderator beim Hofgang zeigten und die dann auch von mehreren Printmedien veröffentlicht wurden.

Der Fernsehmoderator ging gegen diese Veröffentlichungen zunächst mit Hilfe einer Abmahnung vor. Außerdem veröffentlichte er auf seinem Facebook-Account ein Foto, das den Fotografen zeigte, wie er in der Nähe der Wohnung des Fernsehmoderators Zeitung lesend in seinem Auto saß und auf Möglichkeiten zur Berichterstattung wartete.

Klage und Widerklage

Da Fritz S. die in der Abmahnung geforderte Unterlassungserklärung nicht abgab und auch die Anwaltsgebühren nicht bezahlte, verklagte der Fernsehmoderator ihn auf Unterlassung und Übernahme der Abmahnkosten. Im Gegenzug beantragte Fritz S. nicht nur die Abweisung der Klage, sondern strengte eine so genannte Widerklage an: Er verklagte seinerseits den Fernsehmoderator darauf, das Bild, das ihn bei seiner Tätigkeit zeigte aus dem Internet zu nehmen. Bei einer solchen Widerklage werden zwei Klagen, welche zwei Prozessgegner gegeneinander angestrengt haben, gemeinsam in einem Prozess verhandelt.

Das Urteil und seine Begründung

Das Gericht gab nun in beiden Sachen, der Klage und der Widerklage, dem Fernsehmoderator Recht: Fritz S. darf die Knasthof-Fotos bei Androhung von Ordnungsgeld bzw. Ordungshaft nicht mehr veröffentlichen lassen. Das Foto von Fritz S. darf jedoch auf dem Facebook-Account des Fernsehmoderators bleiben.

Diese nur auf den ersten Blick widersinnige Entscheidung wurde gut begründet: Der Fernsehmoderator ist zwar eine Person der Zeitgeschichte und darf daher im Prinzip aufgrund des Rechtes der Öffentlichkeit auf Information ungefragt abgebildet werden. Dabei müssen jedoch seine Persönlichkeitsrechte gewahrt werden. Das bedeutet vor allem auch, dass er ohne sein Einverständnis nicht in privaten Situationen gezeigt werden darf. Die Szene beim Hofgang im Gefängnis stellt nun aber eine solche private Situation dar – etwa wie wenn er sich  auf seinem Privatgrundstück am Pool sonnen würde. Deswegen durften diese Bilder nicht veröffentlicht werden.

Fritz S. jedoch stellt zwar an sich keine Person der Zeitgeschichte dar, ist aber ins öffentliche Interesse gerückt, weil er über einen Fall mit großem Medienecho berichtete. Da ihn das Facebook-Foto bei dieser in der Öffentlichkeit stattfindenden Arbeit zeigt, wird damit auch seine Privatsphäre nicht verletzt. Der Fernsehmoderator durfte dieses Bild daher durchaus veröffentlichen.

Insgesamt zeigt das Urteil auch folgendes: Den Medien steht ein gewisser Spielraum hinsichtlich dessen zu, wer eine Person des Öffentliche Interesses ist. Dieser Spielraum ist umso größer, je weniger die Privatsphäre der Person tangiert wird: Fritz S. durfte ins öffentliche Interesse gerückt werden, weil das fragliche Bild seine Privatsphäre nicht beeinträchtigt. Der unzweifelhaft prominente Fernsehmoderator wurde jedoch in einer so privaten Situation fotografiert, dass seine persönlichen Rechte das Informationsrecht der Öffentlichkeit überwogen.

( Landgericht Köln  Az. 28 O 225/11)

Ansprechpartner
Rechtsanwalt Karsten Gulden Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht

Karsten Gulden

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