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Boerse.to, myGully.com & Co.: Welche Gefahren drohen den Nutzern?

Das erste Forum ging 1998 online

Foren mit einem Schwerpunkt auf Urheberrechtsverletzungen gibt es nicht erst seit gestern. gulli.com, das bekannteste Vorbild aller B├Ârsen, ging vor rund 17 Jahren ans Netz. Die Betreiber hofften zurecht darauf, mit ihrem Angebot gro├če Mengen an Besuchern anlocken zu k├Ânnen. Im Jahr 2008 wurden die Rechte an gulli.com von einem Bochumer Unternehmer f├╝r etwa 1 Million Euro ver├Ąu├čert. 

Einige Teile des ÔÇ×AngebotsÔÇť mussten auf Druck deutscher Plattenfirmen aber schon vorher geschlossen werden. Der Grund daf├╝r ist einfach. B├Ârsen mit einem g├╝ltigen Impressum w├Ąren beim massiven Druck der Rechteinhaber und ihrer Helfershelfer heutzutage nicht mehr lange online. Der juristische Druck war schon im Jahr 2008 deutlich sp├╝rbar. Dieser hat in den Folgejahren noch zugenommen, was sp├Ąter zur vollst├Ąndigen Umstellung bzw. Legalisierung des News-Portals und Forums von gulli.com f├╝hrte.

Boerse.to & mygGully.com: Besucher werden zur Registrierung gedr├Ąngt

Die Funktionsweise der B├Ârsen ist ├╝berall dieselbe. ├ťber eine Suchmaschine landen die Interessenten auf einem der deutschsprachigen Portale, wo sie dazu ermuntert werden, sich einzutragen. Die meisten Links zu Online-Speicherdiensten wie Share-Online.biz oder Uploaded.net sind n├Ąmlich ausschlie├člich registrierten Nutzern vorbehalten. Die G├Ąste sehen zwar, was es dort so alles gibt. Sie k├Ânnen aber nicht darauf zugreifen. 

Da sowohl der Webspace, die Domain als auch die Eigent├╝merverh├Ąltnisse verschleiert werden, bleibt den Rechteinhaben wenig zur Abwehr der illegalen Konkurrenz ├╝brig. Sie k├Ânnen versuchen, Google zur L├Âschung einzelner Such-Eintr├Ąge zu bewegen. Oder aber sie beauftragen gewerblich t├Ątige Piratenj├Ąger mit der Aufkl├Ąrung der Hintergr├╝nde. Die privaten Ermittler von GVU & Co. haben aber mit den gleichen H├╝rden wie alle Beh├Ârden zu k├Ąmpfen, weil sich die Betreiber hinter ausl├Ąndischen Scheinfirmen verstecken. Sie lassen alle Hinweise auf ihre Identit├Ąt von Profis verwischen, die ihre Dienste gegen gutes Geld anbieten. Statt bei einer Privatwohnung der in Deutschland lebenden Hinterm├Ąnner landen die Fahnder bei einer Briefkastenfirma in Belize, Hongkong oder anderswo. Wer die Verantwortlichen ├╝berf├╝hren will, muss im n├Ąchsten Schritt versuchen, ihre Geldstr├Âme zu ├╝berwachen.

Panikmache der Medien unbegr├╝ndet, Vorsicht ist dennoch angebracht!

Wer bei myGully.com oder Boerse.to lediglich diskutiert oder sich umschaut, der bricht noch kein Gesetz. Zu gerne wird den Lesern von der herk├Âmmlichen Presse systematisch Angst eingejagt, dass schon die Anmeldung illegal sei. Ich halte diese Panikmache allerdings f├╝r v├Âllig unbegr├╝ndet So wurde auch noch nicht h├Âchstrichterlich gekl├Ąrt, ob die Nutzung von Streaming-Portalen wie Movie4k oder KinoX zivil- oder strafrechtlich relevant ist. Bis zur Urteilsverk├╝ndung sollte man die Entscheidung der Richter nicht einfach vorwegnehmen oder das verbreiten, was einem genehm ist.

Juristisch spannend wird es aber in dem Moment, wo man das Forum verl├Ąsst, um den eigentlichen Download durchzuf├╝hren. Wer dort also auf einen Link zu einem Sharehoster klickt, um den Spielfilm, das E-Book oder ein PC-Spiel auf seinen Computer zu laden, begeht de facto eine Urheberrechtsverletzung. Diesbez├╝glich sollte man sich nichts vormachen.

Forensoftware: die perfekte ├ťberwachungsmaschine

Dabei muss man sich klarmachen, dass die Forensoftware nach dem Login jeden einzelnen Schritt der Nutzer aufzeichnet. Sollte es irgendwann den Beh├Ârden wider Erwarten gelingen, Vollzugriff auf die Foren-Server zu erhalten, k├Ânnen sie noch Jahre sp├Ąter belegen, dass User X am soundsovielten Schwarzkopie Y von Sharehoster Z illegal beziehen wollte. Wenn sich Lieschen M├╝ller dann bei Boerse.to mit ihrer E-Mail-Adresse Lieschen-Mueller-1981-aus-Koeln@gmx.de eingetragen hat, sollte sie fr├╝her oder sp├Ąter mit einem Besuch der ÔÇ×gr├╝nen HerrenÔÇť oder zumindest mit h├Âchst unangenehmer Post rechnen. 

Im Dezember 2014 lie├č mir gegen├╝ber ein Polizeibeamter den Kommentar fallen, die Server des Boerse.to-Vorg├Ąngers Boerse.bz seien l├Âchrig wie ein Schweizer K├Ąse. Sollte es Hackern der Mitbewerber gelungen sein, an die Daten der Nutzer zu gelangen, w├Ąre es m├Âglicherweise f├╝r alle eigetragenen User heikel geworden. In jedem Fall aber f├╝r die Personen, die keine Vorsichtsma├čnahmen zur Anonymisierung der eigenen Identit├Ąt ergriffen haben.

F├╝hrte eine Sicherheitsl├╝cke zur Schlie├čung von Boerse.bz?

Die Sicherheitsl├╝cke d├╝rfte letztes Jahr bei der ├╝bereilten Schlie├čung neben der Razzia in 121 Wohnungen ehemaliger Boerse.bz-Nutzer eine Rolle gespielt haben. Genaueres wei├č nur die Polizei, wenn ├╝berhaupt. Oder nur die ehemaligen Administratoren selbst.

P.S.: Boerse.bz ging ├╝brigens kurz nach der Schlie├čung des illegalen Teils von gulli.com online, der Kreis der B├Ârsen-Geschichte schlie├čt sich. Wer sich f├╝r die Hintergr├╝nde der ersten deutschsprachigen B├Ârse interessiert, sollte sich das E-Book ÔÇťGulli warsÔÇť von Richard Joos kostenlos herunterladen.

Ganz legal, versteht sich! Was auch sonst. ;-)

Gastautor Journalist Lars Sobiraj

Lars Sobiraj ist Chefredakteuer von https://tarnkappe.info/. Von 2000 bis zum Jahr 2002 schrieb er f├╝r mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht f├╝r Eltern, Lehrer und Sch├╝ler.

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