Facebook-Pinnwand - Die Abmahn-Falle der Zukunft?

Das vor allem bei Jugendlichen übliche „Hochladen“ von Bildern, Videos und Musik an ihre Facebook-Pinnwand könnte schnell zum teuren Spaß werden, wenn Urheber von ihren gesetzlichen Rechten Gebrauch machen würden.

Die durchschnittliche Facebook-Seite eines durchschnittlichen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen bietet ein Abmahnpotential im fünfstelligen Bereich. Hinter jedem Bild, Video und auch hinter jeder Musikdatei stehen Rechteinhaber, die nicht immer damit einverstanden sind, dass man ihre Dateien völlig willkürlich und unentgeltlich im Netz verbreitet.

Das Problem: Mit dem „Hochladen“ an die Facebook-Pinnwand macht der User die jeweiligen Dateien öffentlich zugänglich. Und zwar unter Umständen sogar dann, wenn seine Facebook-Seite nicht „öffentlich“ ist. Viele Facebook-Mitglieder haben eine große Anzahl von „Freunden“, die auch auf die nichtöffentlichen Teile der Seite zugreifen dürfen. Wenn aber 150 oder gar mehr Leute Zugriff auf die „hochgeladenen“ Medien haben, ist dies kein Privatgebrauch mehr, sondern eine Urheberrechtsverletzung.

Das Netz vergisst nicht

Derzeit ist es noch nicht möglich oder zumindest sehr schwierig, an die persönlichen Daten eines Facebook-Users zu gelangen, wenn er nicht so unvorsichtig ist, neben seinem Realnamen auch seine Adresse zu veröffentlichen. Die Ermittlung über die IP-Adresse ist bei Facebook derzeit ohne verbotenes Eindringen in die Server des Dienstes nicht möglich. Anders ist das beim Filesharing, wo aufgrund des Peer-to-Peer-Prinzips die IP-Adressen der Dateianbieter quasi öffentlich sind und die zughörigen Personalien per Strafanzeige und richterlicher Anordnung ermittelt werden können.

Über kurz oder lang, so befürchten Medienrechtsexperten, könnten jedoch (legale) Mittel und Wege gefunden werden, auch die Personalien von Facebook-Anwendern herauszubekommen. Das könnte eine gewaltige Abmahnwelle auslösen. Es steht nämlich zu befürchten, dass nicht nur solche User in Visier genommen werden, die  aktuell gegen Urheberrechte verstoßen werden, sondern auch solche, die das zuvor bereits getan haben, da sich solche Verstöße rekonstruieren lassen. Das Netz vergisst eben nichts.

Bereits ein Link könnte teuer werden

Links sind zwar das Rückgrat des World Wide Web und können als solche auch nicht als unerlaubte Verbreitung angesehen werden. Bei Facebook haben sie aber eine Tücke: Setzt man dort nämlich einen Link an seine Pinnwand, wird dieser zusammen mit einem kleinen Vorschaubild des Linkziels angezeigt. Auf diese Weise kann z.B. ein urheberrechtlich geschütztes Foto, zwar nur als verkleinerte Vorschau, aber eben doch auf die jeweilige Facebook-Seite gelangen. Ob dies nun bereits eine unerlaubte Verbreitung ist, darüber sind sich die Juristen noch uneinig. Eine Gefahr, rechtlich belangt zu werden, stellt es für den arglosen Benutzer aber allemal dar.

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Rechtsanwalt Tobias Röttger,
LL.M.

Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Röttger hat sich konsequent auf das geistige Eigentum, Social Media, die Persönlichkeitsrechte und das Medienrecht fokussiert. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt, ist Röttger als Blogger und YouTuber tätig.

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