Videos in Facebook - Darf man YouTube Videos bei Facebook posten bzw. per Link einbetten?

Die Frage taucht immer wieder auf. Auch bei unseren gemeinsam mit Mimikama veranstalteten Facebook Live Veranstaltung (GGR’KAMA) ist die Frage, ob man YouTube Videos teilen oder mittels YouTube Link einbinden / einbetten darf, bereits ein Klassiker.

Ist das Einbinden von YouTube Videos auf Facebook eine Urheberrechtsverletzung?

Wer kennt das nicht, man entdeckt ein cooles Musikvideo oder ein lustiges Amateurvideo auf YouTube und will es für seine Freunde auf Facebook teilen oder in einem Post einbinden. YouTube bietet die Möglichkeit, dass man das Video mit einem Klick teilen kann. Daneben kann man auch einfach den Link des YouTube Videos kopieren und ein Facebook-Post einfügen – das Video erscheint dann für alle sichtbar im Post. Viele sind sich unsicher, ob sie damit eine Urheberrechtsverletzung begehen. Bisher war sich die Rechtsprechung auch nicht so ganz einig, so dass man nie eine eindeutige Antwort auf die Frage geben konnte.

Der EuGH beendet die Unsicherheit

Dieser Ungewissheit hat der EuGH (Europäischer Gerichtshof) nun in einer grundlegenden Entscheidung (Az. C-348/13) ein Ende gesetzt.

Video über Youtube auf Facebook teilen

Video teilen von Youtube auf Facebook

Video über Youtube auf Facebook einbetten

Video einbetten von Youtube auf Facebook

Der EuGH musste sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Nutzer mit der Einbettung fremder Inhalte die Haftung für diese übernehmen müsse. Wenn Inhalte (Musikvideos, Filme, Amateurclips, etc.) rechtmäßig auf YouTube eingestellt worden sind, d.h. wenn der Urheber oder Rechteinhaber die Inhalte auf YouTube hochgeladen hatte, dann war es bisher auch kein Problem diese Videos bei Facebook zu teilen oder einzubinden, da der Urheber oder Rechteinhaber konkludent mit der Nutzung der Plattform YouTube sein Einverständnis dazu erklärt hat.

Dürfen illegal bei YouTube eingestellte Videos bei Facebook gepostet werden?

Problematisch war es bisher aber immer dann, wenn das Video illegal bei YouTube hochgeladen worden ist. Der normale Nutzer kann nicht herausfinden, ob die Videos vom Rechteinhaber oder illegal von einem Dritten bei YouTube hochgeladen worden sind. Daher herrschte immer wieder die Unsicherheit, ob man mit dem Teilen oder Einbetten bei Facebook eine Urheberrechtsverletzung begeht.

In dem Fall, den der EuGH entscheiden musste, hatte der Rechteinhaber angegeben, dass das Video illegal bei YouTube eingestellt worden war und daher hätte nicht verwendet werden dürfen.

Der EuGH hat entschieden: das Einbinden / Teilen von Videos ist dann erlaubt,

  • wenn sich das Video nicht an ein neues Publikum richtet und
  • wenn keine anderen technischen Mittel zur Einbindung verwendet werden.

Wenn man einfach nur die YouTube-Teilen Funktion verwendet oder den YouTube Link in Facebook einbindet, hat man keine anderen technischen Mittel verwendet.

Wann richtet sich ein Video an ein neues Publikum?

Hierzu führt der EuGH aus:

„Unbeschadet dessen führt aber ihre Verwendung nicht dazu, dass das betroffene Werk für ein neues Publikum wiedergegeben wird. Denn sofern und soweit dieses Werk auf der Website, auf die der Internetlink verweist, frei zugänglich ist, ist davon auszugehen, dass die Inhaber des Urheberrechts, als sie diese Wiedergabe erlaubt haben, an alle Internetnutzer als Publikum gedacht haben.“

Das bedeutet, immer wenn man ein Video von einer frei zugänglichen öffentlichen Plattform wie YouTube hat, richtet sich ein solches Video nie an ein neues Publikum und kann daher unbeschadet eingebettet oder geteilt werden. Etwas anderes wäre es dann, wenn das Video z.B. auf einer Seite wäre, die durch eine Sperre wie z,B. eine PayWall von der Öffentlichkeit abgeschirmt wäre.

Der EuGH nimmt in seiner Entscheidung keine Unterscheidung zwischen legal und illegal eingestellten Videos bei YouTube vor. Wenn man die Entscheidung dementsprechend auswertet bedeutet das, dass sogar bei YouTube offensichtlich rechtswidrig eingestellte Videos per Einbettungslink eingebunden werden können. Das wäre für die Contentindustrie ein herber Schlag. Wir müssen abwarten, ob der BGH das Urteil auch so auslegt.   

Fazit

Dank der EuGH Entscheidung herrscht nun mehr Klarheit. In der Regel kann man somit problemlos Videos aus YouTube oder anderen ähnlichen Videoportalen per Einbettungs-Link bei Facebook posten oder teilen. Ob auch offensichtlich rechtswidrige Videos wie aktuelle Kinofilme per Framing-Link eingebettet werden können, wird der BGH entscheiden müssen. Wenn man die EuGH Entscheidung eng auslegt, können auch illegal bei YouTube eingestellte Videos eingebettet werden, selbst wenn sie offensichtlich rechtswidrig eingestellt worden sind. 

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Rechtsanwalt Tobias Röttger,
LL.M.

Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Röttger hat sich konsequent auf das geistige Eigentum, Social Media, die Persönlichkeitsrechte und das Medienrecht fokussiert. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt, ist Röttger als Blogger und YouTuber tätig.

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