Nacktbilder bzw. intime Bilder und Nacktvideos müssen nach dem Ende einer Partnerschaft gelöscht werden (Recht am eigenen Bild)

Es ist keine Seltenheit, das im Rahmen einer Partnerschaft Nacktbilder / Nacktfotos / Nacktvideos vom Partner geschossen werden. Solange die Beziehung intakt ist, stellt dies kein Problem dar. Geht die Partnerschaft in die Brüche, kann daraus schnell ein ernsthafte Bedrohung für den oder die Abgebildete entstehen. Es kommt nicht selten vor, dass solches Bildmaterial später zu Rache- oder Erpressungszwecke missbraucht wird. Kann man nach dem Ende einer Beziehung die Löschung solcher Nacktaufnahmen / Nacktbilder verlangen.

Das LG Koblenz sagt ja und stellt klar, dass Lichtbilder und Filmaufnahmen mit intimem Bezug gelöscht werden müssen, wenn der Abgebildete dies verlangt (Urteil v. 24.09.2013, Az.: 1 O 103/13). Geklagt hatte eine Frau gegen ihren ehemaligen Lebensgefährten.

Ehemaliger Lebensgefährte besitzt zahlreiche intime Bilder

lm Rahmen der Beziehung erstellte der Beklagte u.a. zahlreiche Bildaufnahmen von der Klägerin, auf denen diese auch unbekleidet sowie teilweise bekleidet und während des Geschlechtsverkehrs zu sehen ist. Zudem besitzt der Beklagte Filmaufnahmen, die die Parteien vor, während und nach dem Geschlechtsverkehr zeigen. Die Beziehung der Parteien ist zwischenzeitlich beendet. Daher forderte die Klägerin den Beklagten auf, die gefertigten Aufnahmen zu löschen. Der Beklagte war der Meinung, für eine Vernichtung der mit Einwilligung der Klägerin hergestellten Lichtbilder und Filme gebe es keine Anspruchsgrundlage. Außerdem habe er gar nicht vor, die Aufnahmen zu veröffentlichen.

Erstellung der Aufnahmen durch Einwilligung zunächst wirksam

Das Gericht führt grundsätzlich aus, dass die Lichtbilder und Filme mit Einverständnis der Klägerin erstellt worden seien. Die Erstellung der Lichtbilder und Filmaufnahmen sowie der damit im Anschluss einhergehende Besitz des Beklagten stellen damit zunächst keinen rechtswidrigen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Klägerin dar. Diese erteilte Einwilligung kann aber wirksam widerrufen werden

Widerrufmöglichkeit für intime Aufnahmen – Eingriff in den Kernbereich des Persönlichkeitsrechts

Nach Auffassung des Gerichts steht der Klägerin ein Widerrufsrecht jedenfalls hinsichtlich der Lichtbilder und Filmaufnahmen zu, die sie in intimen Situationen zeigen. Denn Aufnahmen, die sie in entblößtem Zustand vor, während und nach dem Geschlechtsverkehr zeigen, betreffen den Kernbereich des Persönlichkeitsrechts, für den ein besonderer Schutz notwendig ist. Dies gelte insbesondere im Hinblick darauf, dass die Aufnahmen geeignet sind, das Ansehen der Klägerin gegenüber Dritten in erheblicher Weise zu beeinträchtigen

Gemeinsame Basis für intime Aufnahmen nicht mehr vorhanden

Schließlich sei auch zu würdigen, dass sich die Umstände, unter denen die Klägerin ihr Einverständnis mit den Aufnahmen erteilt habe, maßgeblich geändert haben. Zum Zeitpunkt der Erstellung der Fotos hatten die Parteien eine Beziehung, welche ersichtlich Grundlage für die Herstellung auch intimer Foto- und Filmaufnahmen gewesen ist. Diese gemeinsame Basis sei jedoch durch die zwischenzeitliche Trennung der Parteien nicht mehr vorhanden.

Theoretische Möglichkeit der Veröffentlichung genügt

Allein aus der Existenz der Aufnahmen bestehe die theoretische und keineswegs auszuschließende Möglichkeit, dass die Aufnahmen auch ohne Zutun des Beklagten, z. B. durch Entwendung von Rechner oder Speichermedien, in die Hände unbefugter Dritter gelangen und so gegebenenfalls unter auch vom Beklagten nicht gewollten Umständen ihren Weg in die Öffentlichkeit finden

Keine Auswirkungen auf „normale“ Aufnahmen

Die vorhergehenden Ausführungen gelten allerdings nicht gleichermaßen für Lichtbilder und Filmaufnahmen, die die Klägerin bekleidet beispielsweise in Alltags- und Urlaubssituationen zeigen. Diese Lichtbilder tangieren das Persönlichkeitsrecht der Klägerin in einem geringeren Maße und seien auch weniger geeignet, das Ansehen der Klägerin gegenüber Dritten zu beeinträchtigen. Hinsichtlich dieser Fotos erachtet es das Gericht daher auch für die Klägerin als zumutbar, wenn diese im Besitz des Beklagten verbleiben.

Fazit

Die Widerrufsmöglichkeit für eine einmal erteilte Einwilligung ist von der jeweiligen konkreten Abbildsituation abhängig. Die Einwilligung in die Erstellung von Alltagsaufnahmen kann nicht widerrufen werden. Intime Bilder sind jedoch geeignet, das Ansehen von Personen gegenüber Dritten in erheblicher Weise zu beeinträchtigen. Dies stellt einen schwerwiegenden Eingriff in den Kernbereich des Persönlichkeitsrechts ein. Hierfür besteht ein Anspruch auf Herausgabe und Vernichtung der angefertigten Lichtbilder.

Diese Entscheidung ist richtig. Der Besitz solchen Bild- und Videomaterials vom Ex-Partner bietet zu viel Gefahrenpotenzial. Geraten solche Bilder erst einmal ins Internet, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, ist eine Beseitigung kaum möglich. Die vielen Fälle aus der Praxis zeigen, dass solche Nacktbilder und –videos häufig für erpresserische Zwecke verwendet werden. 

D. Stoll, Ass. jur.

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Rechtsanwalt Karsten Gulden,
Fachanwalt für Urheber-und Medienrecht

Rechtsanwalt Gulden ist Gründer und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht seit 2009, Wahlfachprüfer beim Justizministerium Mainz/Rheinland-Pfalz, Blogger und YouTuber sowie Bergsportler in nahezu allen Varianten

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