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Peinliche Partybilder und Nacktbilder
illegale Anfertigung, Verbreitung und Weitergabe an Dritte ist strafbar

Peinliche Partybilder und Nacktbilder

Fast jeder hat heutzutage ein Smartphone mit Kamera und ist auf verschiedenen sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter, Snapchat, YouTube, Instagram, etc. unterwegs oder verwendet Messenger wie WhatsApp oder Threema. Die täglichen Erlebnisse werden in Bildern festgehalten und umgehend mit der Community und den Freunden geteilt. Hierbei werden nicht immer nur für den auf den Bildern Abgebildeten positive Bilder verbreitet.

Peinliche Partybilder - der Karriere-Killer

Es kommt oft vor, dass volltrunkene Partygäste in den unangenehmsten Stellungen und Situationen abgelichtet und die Bilder verbreitet werden. Solche Bilder können den Betroffenen in erheblichem Maße schaden. Es ist inzwischen Standard, dass sich Arbeitgeber im Internet über die Bewerber informieren. Peinliche Partybilder, die sich unauslöschlich im Internet verbreiten, können einem Bewerber die gesamte Karriere kosten.

Cybermobbing Attacken durch Nacktbilder

Eine andere Unart ist das Verbreiten von Nacktbildern. Auch solche Bilder verbreiten sich wie ein Lauffeuer im Internet und können zu massiven psychischen Schäden bei den Betroffenen führen. Hier werden teilweise extreme Cybermobbing Attacken gefahren.

Geldstrafe und Freiheitsstrafe

Gemäß dem neuen § 201a StGB ist die Verbreitung und Anfertigung solcher Bilder strafbar. Es drohen Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu 2 Jahren.

Die Bilder müssen noch nicht einmal einer großen Öffentlichkeit preisgegeben werden - es reicht bereits gem. § 201a Abs. 1 Nr. 3 StGB aus, wenn man ein solches Bild einer dritten Person zugänglich macht. Das kann bspw. geschehen, indem man das Bild per WhatsApp einem Freund weiterleitet.

Mit dem Einverständnis des Abgebildeten hergestellte Nacktbilder dürfen nicht ohne dessen Erlaubnis verbreitet werden

Selbst wenn ein solches peinliches Partybild oder Nacktbild mit dem Einverständnis des Abgebildeten hergestellt worden ist, darf dies nicht an Dritte ohne das Einverständnis des Abgebildeten weitergeleitet werden.

Beispiel:

Schenkt Anna ihrem Freund Tim ein Nacktbild von sich, darf dieser das Bild nicht seinem Freund Mark zeigen, ohne dass Anna damit einverstanden ist. Ansonsten drohen Tim bis zu 2 Jahre Gefängnis gem. § 201a Abs. 1 Nr. 4  StGB.

Bildaufnahmen, die geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden

Neben Nacktbildern und erniedrigenden Partybildern ist es gem. §201a Abs. 2 StGB auch verboten, Bildaufnahmen zu verbreiten oder einer dritten Person zugänglich zu machen, die geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden. Was das genau bedeutet und wann dies der Fall ist, werden die Gerichte in den nächsten Jahren entscheiden müssen. Hier kommt es auf die individuelle Situation des Betroffenen an. Erfasst werden sollen dabei Aufnahmen, die dem Ruf des Betroffenen abträglich sein könnten. Bei der Beantwortung der Frage soll es auf die Beurteilung des durchschnittlichen Betrachters ankommen.

RA Tobias Röttger, LL.M. zu möglichen Fallkonstellationen, die unter § 201a Abs. 2 StGB fallen könnten:

„Diese Regeleung war nicht umsonst aufgrund ihrer Schwammigkeit und Unbestimmtheit massiv in der Kritik. Jetzt ist sie da und jammern nützt nichts mehr - wir müssen damit leben. Grundsätzlich kann man sich merken, dass man keine Bilder veröffentlichen oder an Dritte weitergeben sollte, bei denen man sich sicher sein kann, dass sie den oder die Abgebildete in Schwierigkeiten bringen kann. Man muss sich zuerst immer selbst fragen, ob man selbst damit einverstanden wäre, dass ein solches Bild, auf dem man selbst zu sehen ist, veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben wird. Ein verheirateter Pfarrer hat sicherlich kein Interesse daran, dass ein Bild auf Facebook veröffentlicht wird, auf dem zu sehen ist, dass er fremdgeht;-) Privatdetektive könnten mit dem § 201a Abs. 2 StGB ebenfalls erhebliche Probleme bekommen. Der fremdgehende Ehemann hat sicherlich kein Interesse daran, dass die von seiner Ehefrau beauftragte Detektei der Gehörnten die Beweisbilder des Beischlafs liefert.“

Was bleibt als Fazit? Schützt der neue § 201a StGB die Opfer besser? Können sich diese nun besser wehren? Röttger dazu:

„Die Anzahl der Cybermobbingfälle steigt jährlich. Dies liegt an der großen Verbreitung von Smartphones, immer günstigeren Datentarifen, der starken Nutzung von Social-Media-Diensten und der Naivität vieler User. Gerade jüngere User sind sich in vielen Fällen gar nicht bewusst, was sie mit der Verbreitung solcher Bilder anrichten können. Auf der anderen Seite gehört es inzwischen schon fast zur Normalität, dass man von sich selbst Nacktbilder anfertigt bzw. anfertigen lässt und diese seinem Freund / Freundin übergibt, in der Hoffnung, dass damit kein Unfug getrieben wird. Hier ist Aufklärung notwendig. Trotz aller berechtigten Kritik an der Neufassung des § 201a StGB, haben Opfer solcher Cybermobbing Attacken etwas bessere Handlungsmöglichkeiten, ob der §201a StGB neue Fassung zukünftig solche Taten verhindert, wage ich zu bezweifeln.“

Abmahnung, Unterlassung und Gerldentschädigung - zivilrechtliche Ansprüche gegen die Täter

Neben der strafrechtlichen Ahndung können gegen den oder die Täterin auch zivilrechtliche Schritte eingeleitet werden. Hier kann eine Abmahnung ausgesprochen und die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung eingefordert sowie - gerade in den oben genannten Fällen –eine Geldentschädigung gefordert werden, die durchaus im vierstelligen Bereich liegen kann.

Ansprechpartner
Rechtsanwalt Tobias Röttger, LL.M.

Tobias Röttger

Rechtsanwalt

Medienrecht (LL.M.)

Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger rechtsanwälte. Tobias Röttger hat sich konsequent auf das geistige Eigentum, Social Media, die Persönlichkeitsrechte, Medienrecht und sich die daraus ergebenden Datenschutzprobleme fokussiert. Rechtsanwalt Röttger ist zertifizierter Datenschutzbeauftragter TÜV©.

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