Jameda Bewertung löschen - Stolperfallen und Abmahngefahr bei schlechten Bewertungen für Ärzte

Ärzte gibt es viele - doch wer ist der richtige für mich? Diese Frage stellen sich täglich tausende Menschen in Deutschland. Verschiedene Bewertungsportale wollen es dem Suchenden nun einfacher machen, den richtigen Arzt für sich zu finden. Der Suchende soll sich anhand von Patienten-Bewertungen ein Bild über den Arzt des Vertrauens machen können.

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Stolperfallen und Abmahngefahr bei schlechten Bewertungen für Ärzte – Facebook und Jameda Bewertung löschen

Auf Portalen wie Jameda und Sanego können Patienten nämlich ihre Erfahrungen mit dem behandelnden Arzt anderen Patienten und zukünftigen Patienten mitteilen. Diese können sich dann vorab ein Bild über den Arzt machen und dann entscheiden, ob sich Besuch lohnen mag oder nicht. Neben der Nutzung von solchen Bewertungsportalen werden vermehrt Erfahrungsberichte bei Social Media Plattformen wie insbesondere Facebook gepostet und heftig diskutiert. Hierbei kommt es immer häufiger zum Missbrauch durch Patienten, denen es einzig und allein darum geht, ihren behandelnden Arzt nachträglich zu schädigen.

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Symbolbild negative Bewertungen Jameda Facebook

Bewertung von Ärzten auf Jameda, Sanego und Co.

Gerade eine ärztliche Behandlung ist häufig eine sehr persönliche und emotionale Angelegenheit. Eine gute und korrekte Behandlung setzt man als "normal" voraus. In diesem Bereich wird häufig erst dann eine Bewertung abgegeben, wenn man mit der Behandlung sehr unzufrieden war. Häufige Kritikpunkte sind:

  • unangemessen lange Wartezeiten
  • falsche Behandlungen
  • kostenintensive Behandlungen, obwohl auch günstigere Methoden den gleichen Erfolg versprochen hätten,
  • unzureichende Erklärungen des Arztes
  • der Arzt geht auf den Patienten nicht ein
  • Unfreundlichkeit des Arztes und / oder des Personals

Gefahren bei Erfahrungen und Bewertungen auf Facebook teilen

Bei Facebook werden schlechte Erfahrungen häufig sehr emotional vorgetragen. Mit unbedachten Äußerungen kann man schnell den Tatbestand einer Beleidigung erfüllen. Wenn man dann noch andere Patienten öffentlich davor warnt, den Arzt zu nutzen, kann sehr schnell eine Sogwirkung entstehen, ähnlich wie bei den zahlreichen „privaten Fahndungsaufrufen“, die auch immer wieder Thema und Grundlage für heftige Diskussionen bei Mimikama.at sind. Wenn man dann auch noch Bilder von dem Arzt hochlädt, kann schnell der abmahnfähige Tatbestand der Persönlichkeitsrechtsverletzung (Recht am eigenen Bild) erfüllt sein.

Es ist schon klar, dass man mit einem negativen Bericht vor schlechten Ärzten warnen will, jedoch muss man sich bewusst sein, falls es zu einem Gerichtsverfahren wegen des Berichtes kommen sollte, dass man seine Behauptungen beweisen kann. Wenn bspw. ein Behandlungsfehler oder eine Fehldiagnose vorliegt, sollte man diese von einem anderen Arzt bescheinigen lassen.

Gerade die negativen Erfahrungsberichte bei Facebook haben einen enorm hohen Verbreitungsgrad und können im Falle einer Rechtsverletzung sehr teuer werden. Daher sollte man sich zu seinem eigenen Schutz ernsthaft überlegen, ob Facebook wirklich die richtige Plattform ist, um seinen Arzt zu kritisieren.

Vorsicht bei schlechten Bewertungen – Abmahnung kann folgen

Ein Arztbesuch verspricht nicht immer Heilung, sondern kann auch erheblichen Frust verursachen. Diesen versucht man dann gerne mittels einer sehr schlechten Bewertung für den Arzt auf Portalen wie Jameda oder Sanego abzubauen. Auch wenn dies häufig die einzige Möglichkeit ist, dem Arzt mal „wirksam“ seine Meinung zu sagen, sollte man hierbei Vorsicht und Sachlichkeit walten lassen. Eine solche schlechte Bewertung kann sich schnell als Bumerang in Form einer Abmahnung erweisen.

Keine falschen Tatsachenbehauptungen und Schmähkritiken / Beleidigungen

Es ist nicht erlaubt, falsche Tatsachenbehauptungen aufzustellen. Teilt man beispielsweise mit, dass der Arzt beim Setzen der Betäubungsspritze sehr grob und schmerzvoll vorgegangen ist, obwohl man in der Behandlung gar keine Betäubungsspritze erhalten hat, dann ist dies eine falsche Tatsachenbehauptung, die abgemahnt werden kann. Eine solche falsche Tatsachenbehauptung (Lüge) ist ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Arztes.

Wenn man beispielsweise den Arzt als elenden Kurpfuscher und schwitzendes Schwein (Schmähkritik / Beleidigung) bezeichnet, kann für diese Bezeichnung ebenfalls eine Abmahnung drohen.

Hat der Arzt gegenüber Bewertungsportalen wie Jameda oder Sanego einen Anspruch auf Herausgabe des Namens und der Adresse des Bewerters?

Nein, gemäß einem aktuellen Urteil des BGH darf ein Bewertungsportal dem anfragenden Arzt keine Auskunft über die Nutzerdaten des Bewerters geben.

Der BGH (Urteil vom 1. Juli 2014 - VI ZR 345/13) hat die Klage eines Arztes auf Auskunftserteilung gegen den Betreiber von Internet-Bewertungsportalen abgewiesen. Der Betreiber eines Internetportals sei in Ermangelung einer gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage grundsätzlich nicht befugt, ohne Einwilligung des Nutzers dessen personenbezogene Daten zur Erfüllung eines Auskunftsanspruchs wegen einer Persönlichkeitsrechtsverletzung an den Betroffenen zu übermitteln.

Anonyme Bewertungen schützen nicht immer vor Abmahnungen

Auch anonyme Bewerter können überführt werden.

Ihr Arzt führt von Ihnen eine Krankenakte. In dieser Akte sind sämtliche Behandlungen und in der Regel auch die ernsthaften Beschwerden der Patienten vermerkt. Anhand einer anonymen negativen Bewertung auf Bewertungsportalen wie Jameda oder Sanego oder Social Media Einträgen wie Facebook oder Google+ kann man häufiger den „anonymen“ Patienten enttarnen, als man denkt. War man beispielsweise mit einer Wurzelbehandlung unzufrieden und äußert sich darüber in unzulässiger Art im Rahmen einer negativen Bewertung und hat der behandelnde Arzt in diesem Zeitraum nur eine Wurzelbehandlung durchgeführt, liegen schon erhebliche Indizien vor, die Sie als den anonymen Schreiber enttarnen. Wenn Sie sich über die Art der Behandlung noch beim Arzt oder Personal massiv beschwert haben und die Beschwerdepunkte sich in Ihrer Bewertung wieder finden, erhärten sich die Indizien. Oder Sie teilen in Ihrer Bewertung mit, dass Sie nach der schlechten Behandlung zur Praxis XY gewechselt sind, die die Behandlung wesentlich besser und erfolgreicher durchgeführt haben. Die neue Praxis fordert in aller Regel die Krankenakte beim ehemaligen Arzt an. Wenn Sie der einzige Patient sind, der in dem angegebenen Zeitraum zum Arzt XY gewechselt ist, liegt ebenfalls ein starkes Indiz dafür vor, dass Sie der Verfasser der schlechten Bewertung sind.

Anonyme schlechte Fantasie Bewertung – Jameda Bewertung wird gelöscht

Viele unzufriedene Patienten, die es ihrem Arzt mal heimzahlen wollen, greifen häufig zu dem Mittel der anonymen Fantasie Bewertung, um der Gefahr der oben dargestellten Identifizierbarkeit zu entgehen. Solche Bewertungen haben häufig keinen Bestand und keine Nachhaltigkeit, da der betroffene Arzt diese relativ problemlos bei den entsprechenden Portalen wie Jameda und Sanego löschen lassen kann. Hier genügt es häufig, dass der Arzt darstellen kann, dass die Behandlungen, die in den Bewertungen angesprochen wurden, in dem angegebenen Zeitraum gar nicht durchgeführt worden sind. Beleidigungen und Schmähkritiken werden in der Regel sowieso schnell gelöscht. Die Bewertungsportale wollen sich nicht der Gefahr einer Abmahnung oder einer einstweiligen Verfügung aussetzen, da diese mit Kenntnis von der „Persönlichkeitsrechtsverletzung“ für diese auch haften, wenn sie der Löschungsaufforderung nicht nachkommen.

Meinungsfreiheit ja, aber nicht auf Kosten einer Persönichkeitsrechtsverletzung des Arztes

Es gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung, daher kann man grundsätzlich seine Meinung zu dem behandelnden Arzt auch kundtun. Jedoch sind diesem Recht auf freie Meinungsäußerung auch Grenzen gesetzt. Falsche Tatsachenbehauptungen und Schmähkritiken / Beleidigungen werden von dem Recht auf freie Meinungsäußerung nicht umfasst.

Fazit

Wir können Ihnen nur anraten, wenn Sie schlechte Erfahrungen mit einem Arzt gemacht haben und diese mit anderen mittels eines Bewertungsportals oder per Facebook teilen wollen, zunächst einen kühlen Kopf zu bewahren und mit etwas Abstand sachlich und in nicht beleidigendem Tonfall die Kritikpunkte abzufassen. Andernfalls, wenn Sie falsche Tatsachenbehauptungen vortragen, um der Sache etwas mehr Pep zu verleihen oder Ihren Frust / Hass auf den Arzt in beleidigenden Kommentaren zu ertränken, kann dies für Sie eine unangenehme und teure Wendung nehmen. Die Kosten für Abmahnungen und Klagen wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen gehen schnell in den vierstelligen Bereich. Nach einem verlorenen Verfahren ärgern Sie sich nur noch mehr.     

Berechtigte Kritik - JA

Falsche Tatsachenbehauptungen und Beleidigungen - NEIN

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Rechtsanwalt Karsten Gulden,
Fachanwalt für Urheber-und Medienrecht

Rechtsanwalt Gulden ist Gründer und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht seit 2009, Wahlfachprüfer beim Justizministerium Mainz/Rheinland-Pfalz, Blogger und YouTuber sowie Bergsportler in nahezu allen Varianten

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