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Bewertungen kaufen
Ist der Kauf von Bewertungen legal? Sind Fake-Bewertungen strafbar?

Bewertungen kaufen – ist das legal oder eine Grauzone?

Bewertungen im Internet ersetzen heute die "Mund-zu-Mund"-Empfehlungen unter Freunden und Bekannten und bilden in vielen Fällen die Entscheidungsgrundlage für oder gegen ein Produkt oder eine Dienstleistung. Unternehmen und Dienstleister sind daher darauf angewiesen, im Internet gut bewertet zu werden. Das wissen auch Agenturen und ähnliche Dienstleister, die im Internet Bewertungen zum Kauf anbieten. Diese werben dann zum Teil damit, dass der Kauf von Bewertungen legal sei, weil sie die Produkte und Dienstleistungen der jeweiligen Unternehmen testen würden. Dieses Vorgehen dürfte in den meisten Fällen rechtswidrig sein. Bewertungen sind nur dann rechtssicher, wenn diese von Personen stammen, die tatsächlich auch mal Kunden oder Patienten der bewertenden Unternehmen oder Ärzte waren und die Bewertungen Ausdruck der persönlichen Meinung des Verfassers sind. Hieran dürfte es in den meisten Fällen fehlen, wenn die Bewertungen rein aus kommerziellen Gründen auf Bestellung abgegeben werden, ohne dass es zu einer individuellen Prüfung kommt und das Ergebnis der Bewertung von vornherein feststeht. Konkurrenten und Mitbewerber, die erfahren, dass ihre Mitstreiter auf diese Weise Bewertungen kaufen und verbreiten, können diese dann kostenpflichtig abmahnen. Es kommt dann zu einer Irreführung der Verbraucher, die gesetzlich verboten ist.

Manipulierten Bewertungen veröffentlichen

Die Veröffentlichung der manipulierten Bewertungen kann in diesen Fällen als irreführende Werbung anzusehen sein. Es kann ein Verstoß gegen § 5 Abs. 1 Nr. 1 UWG vorliegen, wenn durch den Unternehmer unwahre und zur Täuschung geeignete Angaben gemacht werden, z.B. über die wahre Verwendungstauglichkeit des Produktes. Insbesondere kann dem Verbraucher derart ein verzerrtes und übertrieben positives Bild des bewerteten Produkts oder des bewerteten Unternehmens gezeichnet werden, das nicht der Realität entspricht. Der Verbraucher, der von der Unverfälschtheit der Bewertungen ausgeht, wird somit getäuscht und in die Irre geführt.

Unternehmen und Dienstleistern ist daher dringend davon abzuraten, Bewertungen zu kaufen oder zu faken. Dies kann zu Recht abgemahnt und verfolgt werden.

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KONTAKT

Gekaufte Bewertungen sind in der Regel gefakte Bewertungen. Diese Bewertungen werden von Personen, die niemals Kontakt zu dem Unternehmen, zu dem Produkt oder der Dienstleistung hatten oder maschinell (KI) verfasst. Es gibt auch Anbieter, die über Callcenter Kontakt zu dem Unternehmen aufnehmen, jedoch nur, um dann eine Bewertung oder Rezension abgeben zu können. Auch hierbei handelt es sich um Fakebewertungen und nicht um “echte“ Kundenbewertungen.

Juristisch sind solche Fake-Bewertungen problematisch, da tatsächlich kein unverfälschter Erfahrungsbericht abgegeben wird. Der Leser und potentielle Kunde wird in die Irre geführt.

Unternehmen, die solche Fake-Bewertungen nutzen, verstoßen in der Regel gegen die AGB der Bewertungsplattformen. Das kann zum Ausschluss auf der Plattform führen. Zudem ist dieses Verhalten wettbewerbswidrig. Das bedeutet, dass Abmahnungen von Konkurrenten drohen.

Wer Fake-Bewertungen verkauft, haftet ebenso wie auch das Unternehmen, welches Fake-Bewertungen einkauft und auf dem eigenen Profil präsentiert. Die Verbraucherschutzzentralen und Mitbewerber können solche Unternehmen abmahnen, die sich mit falschen Bewertungen im Netz präsentieren. Denkbar ist auch, dass Bewertungsplattformen und Unternehmen die Verkäufer und Nutzer von Fake-Bewertungen abmahnen und auch auf Schadensersatz in Anspruch nehmen könnten. Je nach Konstellation ist es zudem denkbar, dass die Anbieter sich strafbar machen, wenn Bewertungen zum Kauf angeboten werden, die gefakt sind.

Wieso gibt es Anbieter, die Bewertungen im Internet zum Kauf anbieten?

Die Anbieter kommerzieller Bewertungen sitzen in der Regel im Ausland und versuchen das deutsche Recht zu umgehen. Schaut man sich die Seiten genauer an, finden sich oft widersprüchliche Angaben.

Laut Impressum gibt es dann bspw. einen Handelsregistereintrag in Deutschland. Schaut man sich dann die AGB an, steht etwas völlig anderes dort. Es handelt es sich dann beispielsweise bei dem Anbieter um eine Internet Marketing Firma mit Sitz auf Mallorca, den Seychellen oder auf den Bahamas.

Die Anbieter von illegalen Bewertungen versuchen Zweifel auszuräumen, indem sie sich genau mit diesen Fragen auf der jeweiligen Homepage beschäftigen.

Unter den FAQs findet sich dann oft die Frage “Ist das Bewertungen kaufen legal?“

Die Frage wird dann selbstverständlich mit einem „Ja“ beantwortet.

Faktisch handelt es sich bei den gekauften Bewertungen dann jedoch nicht um Rezensionen echter Kunden, Patienten oder Käufer des jeweiligen Unternehmens, Arztes oder Onlineshops. Genau dies sollen die Bewertungen jedoch zum Ausdruck bringen: Echte Erfahrungsberichte.

Die Anbieter handeln dabei entweder vorsätzlich oder sind sich über die Problematik der Illegalität kommerzieller Bewertungen nicht im Klaren. Sie können von jedem Wettbewerber abgemahnt werden. Der Gegenstandswerte dürften immens sein, da die Gerichte mittlerweile in der Regel von einem Gegenstandswert in Höhe von 10.000 € pro Bewertungsfall ausgehen. Bietet ein Verkäufer im Internet beispielsweise 50 Google Bewertungen zum Preis von 449 € an, so würde ich bei einem Vorgehen gegen diesen Anbieter einen Gegenstandswert von 500.449 € ansetzen. Das Prozessrisiko läge dann bei knapp 70.000 €, wenn es zu einer Klage kommt und zwei Instanzen durchläuft. Diese 70.000 € muss der Unterlegene zahlen plus Schadensersatz.

Darf ein Portal öffentlich damit werben, nur positive Bewertungen zu liefern?

Das Anbieten bzw. der Verkauf von Bewertungen als auch die Nutzung derselben dürfte wettbewerbswidirg sein, da eine Irreführung der Verbraucher stattfindet. Wirbt ein Portal öffentlich damit, nur positive Bewertungen zu liefern, spricht dies bereits für die Illegalität, ebenso, wenn es lediglich damit wirbt, Bewertungen zu verkaufen. Die Anbieter können von jedem Konkurrenten abgemahnt und auf Unterlassung verklagt werden. Die Verbraucherschutzzentralen können ebenso gegen solche Angebote vorgehen. Ebenso kann jeder Arzt, jedes Unternehmen, jedes Geschäft und jeder Onlineshop gegen Mitbewerber vorgehen, die Bewertungen einkaufen und zur Eigenwerbung nutzen. Aktuell hat das OLG Frankfurt entschieden, dass es wettbewerbswidrig ist, wenn gekaufte Bewertungen verwendet werden, ohne diese als gekaufte Bewertungen zu kennzeichnen, OLG Frankfurt a. M., Beschl. v. 22.02.2019 - 6 W 9/19. 

ungerechtfertigte Kritik erhalten - wie sollten Unternehmen vorgehen?

Im ersten Schritt sollte das Unternehmen einen Screenshot der Bewertung  zur Beweissicherung machen. Im nächsten Schritt sollte der jeweilige Diensteanbieter wie beispielsweise Google, Jameda, kununu oder Yelp über die falsche Bewertung in Kenntnis gesetzt werden und man sollte auch eine Frist setzen innerhalb derer eine Antwort erfolgen soll (je nach Verstoß max 14 Tage). Die Diensteanbieter haften ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme einer rechtswidrigen Bewertung und müssen dann tätig werden und den Sachverhalt überprüfen. Bleibt die Bewertung dann trotz eines Verstoßes online, macht sich der Diensteanbieter schadensersatzpflichtig, so auch aktuell das OLG München, Urteil vom 10.07.2018, Az 18 U 1280/16. Spätestens dann können die benachteiligten Unternehmen und Ärzte auch einen Anwalt einschalten, der die Sache übernimmt. Dann würde das Portal abgemahnt werden und man würde dem Portal auch die Kosten in Rechnung stellen.  

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KONTAKT

Rechtslage zu Bewertungen, Kritiken und Rezensionen in Deutschland

Die Tragweite und Bedeutung der Bewertungen sind immens.  Negative Bewertungen führen nachwesilich zu direkten Umsatzeinbußen und Imageschäden. Die Rechtsprechung erkennt ebenfalls die Problematik und es gibt mittlerweile erste Urteile, die den Reputationsschutz der geschädigten Unternehmen stärken. So gelang es unserer Kanzlei einen Arzt in einem bundesweit beachteten Klageverfahren gegen Google zu seinem Recht zu verhelfen. 

Eine Herausforderung ist die Anonymität im Internet, die bisher sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Dienstanbieter müssen sicherstellen, dass die Nutzer ihre Dienste auch anonym nutzen können. Aufgrund der hohen Missbrauchsgefahr kann man hier durchaus die Frage stellen, ob es sinnvoll wäre, die Bewertungen aus dem anonymen Sektor auszuklammern. Zumindest aber sollte der Gesetzgeber überlegen, ob er einen zivilrechtlichen Auskunftsanspruch bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen einführt. Das bedeutet, dass wenn es zu einer Beanstandung im Falle einer Bewertung kommt, so sollte derjenige, dessen Rechte verletzt werden das Recht haben, den Diensteanbieter zu verpflichten, sich mit dem Bewerter in Kontakt zu setzen und diesen aufzufordern, nachzuweisen, dass er tatsächlich einmal Kunde oder Patient bei Ihm gewesen ist. Dies fordert nämlich der Bundesgerichtshof BGH VI ZR 34/15. Die Diensteanbieter müssen also stärker in die Pflicht genommen werden können. Dann ist die Waffengleichheit zwischen dem Bewerter und dem bewerteten Unternehmen, Dienstleister oder Onlineshop hergestellt.

Ansprechpartner
Rechtsanwalt Karsten Gulden Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht

Karsten Gulden

Rechtsanwalt

Fachanwalt für Urheber-und Medienrecht

karsten.guldenggr-law.LÖSCHEN.com
+49-6131-240950

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