Nacktbilder und intime Bilder im Internet – Vorsicht: strafbar und Geldentschädigung

Es verbreitet sich im Internet nichts schneller und besser, als Bilder. t3n.de zeigen in ihrem Bericht „Social Media: Was wir auf Facebook, Twitter und Co. teilen [Infografik]“ auf, dass mit Abstand am meisten Bilder über Social Media geteilt werden. Dieser Umstand führt insbesondere dann zu Problemen, wenn Bilder geteilt werden, ohne dass der Abgebildete damit einverstanden ist. Sind Bilder erst mal im Internet, besteht fast keine Chance mehr, diese vollständig zu entfernen.

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Wieso tauchen Nacktbilder und intime Bilder im Internet auf?

Entweder stellt man diese freiwillig ins Internet oder ein Dritter macht dies aus unterschiedlichen Gründen (Mobbing, Rache, Profitgier, etc.), ohne die Einwilligung des Abgebildeten einzuholen.

Habt die Zukunft im Auge

Gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind mit der Veröffentlichung von Bildern wesentlich freizügiger geworden. Häufig macht man sich keinerlei Gedanken darüber, was für Konsequenzen eine solche Veröffentlichung haben kann. Insbesondere bei der Veröffentlichung von Nackt- und Intimbildern sollte man sich immer die Frage stellen, würde ich die Bilder auch meinen Eltern oder meinem Arbeitgeber zeigen? Ist ein Bild erst mal im Internet, besteht die theoretische Möglichkeit, dass dies jeder zu sehen bekommt. Das Gleiche gilt auch für Exzess-Fotos.

Darf man Nacktbilder und / oder intime Bilder von Dritten ohne deren Einverständnis im Internet veröffentlichen und verbreiten?

Nein! Die Veröffentlichung und Verbreitung solcher Bilder stellt einen Eingriff in den Kernbereich des Persönlichkeitsrechts des Abgebildeten dar. Insbesondere Nackt- und Intimbilder dürfen nur mit Einwilligung der Abgebildeten veröffentlicht und verbreitet werden.

Macht man sich strafbar, wenn man ohne die Einwilligung des Abgebildeten Nackt- und Intimbilder im Internet veröffentlich und verbreitet?

Ja! Gemäß § 33 KUG liegt der Strafrahmen bei Geldstrafe und Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Die Staatsanwaltschaft oder Polizei ermittelt aber nicht von alleine. Der oder die Geschädigte müssen Strafantrag stellen.

Nacktbilder Foto Videos über WhatsApp Snapchat

Nacktbilder und Nacktvideos (Recht am eigenen Bild)

Können auch Zivilrechtliche Ansprüche gegen den Täter wie Unterlassung und Geldentschädigung geltend gemacht werden?

Ja! Das oben genannte Strafverfahren dient in der Regel der Vorbereitung eines Zivilverfahrens. Die ungenehmigte Verbreitung und Veröffentlichung von Nacktbildern stellt einen schweren Eingriff in das Persönlichkeitsrecht dar. Der Geschädigte hat gegenüber dem Täter einen Anspruch auf Unterlassung und auf Auskunft. In vielen Fällen steht ihm auch noch ein Geldentschädigungsanspruch zu, der durchaus im fünfstelligen Bereich liegen kann. Bspw. hatte das Landgericht Kiel (Az.: 4 O 251 /05) einer Betroffenen eine Geldentschädigung von 25.000 € zugesprochen, weil ein Dritter unberechtigt Nacktbilder von ihr in eine Tauschbörse eingestellt hatte. Die hohe Summe wurde damit begründet, dass es ein großes Problem sei, dass die endgültige Entfernung von unberechtigt eingestellten erotischen Bilddateien aus dem Internet nicht möglich sei, da weder die Identität desjenigen festzustellen sei, der die Bilder herunterlädt, noch zu ermitteln sei, wer diese Bilder erneut ins Internet einstellen würde und damit seinerseits wieder zur Verbreitung freigäbe.

Ist auch das ungenehmigte Anfertigen von Nacktbildern verboten bzw. strafbar?

§33 KUG stellt ausschließlich auf die ungenehmigte Veröffentlichung und Verbreitung von Nacktbildern ab. Eine Regelung zu der Frage findet sich im § 201a StGB:

(1) Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Hiernach ist es verboten, wenn heimlich oder unfreiwillig Nacktaufnahmen in der Wohnung, auf Toiletten oder ähnlichen gegen Einblick besonders geschützten Räumen angefertigt werden. Hierunter fällt auch der Garten, wenn dieser bspw. durch eine Mauer oder eine Hecke vor den Blicken Dritter abgeschirmt ist. Werden solche Aufnahmen an einem öffentlichen FKK-Strand oder in einer öffentlichen Sauna / Wellnessbereich angefertigt, liegt keine Strafbarkeit vor. Gleichwohl dürfen diese Aufnahmen nicht veröffentlicht und verbreitet werden.

Besteht ein Anspruch auf Löschung von Nackt- und Intimbilder, wenn diese im Rahmen einer Beziehung mit Einwilligung angefertigt wurden und diese Beziehung inzwischen wieder beendet ist?

Genau mit dieser Frage musste sich das LG und OLG Koblenz (Az.: 3 U 1288/13) auseinandersetzen. Beide Instanzen haben entschieden, dass die Abgebildete, sofern es sich um Nackt- und Intimbilder handelt, nach Beendigung einer Beziehung ein Anspruch auf vollständige Löschung der Bilder hat, auch wenn diese rechtmäßig hergestellt oder sogar an den Partner verschenkt worden sind. Der Schutz des Persönlichkeitsrechts überwiegt in diesen Fällen dem Eigentumsanspruch aus Art. 14 Abs. 1 Grundgesetz.      

Allein aus der Existenz solcher Fotos und Filme folge die keineswegs auszuschließende Möglichkeit, dass die Aufnahmen auch ohne Zutun des ehemaligen Partners, zum Beispiel durch Entwendung von Rechnern und Speichermedien, in den Händen unbefugter Dritter gelangen und so auch unter von dem Beklagten nicht gewollten Umständen ihren Weg in die Öffentlichkeit finden könnten.

Zudem sei die Grundlage für die Erstellung der Fotos und Filme zwischenzeitlich entfallen, weil die Beziehung beendet sein. Die Einwilligung der Abgebildeten in die Anfertigung der betreffenden Nacktbilder schließt den Widerruf des Einverständnisses für die Zukunft nicht aus.

Was machen, wenn man Nacktbilder von sich selbst im Internet entdeckt?

Nacktbilder sind ein heikles Thema, mit denen man aus verschiedenen Gründen sehr vorsichtig umgehen sollte. Wenn man von sich ungenehmigte Nacktbilder oder intime Bilder im Internet findet, sollte man sämtliche Beweise sichern – bspw. mit dem Tool ATOMSHOT. Im nächsten Schritt sollte man versuchen herauszufinden, wer die Bilder Online gestellt hat und gegen diesen Strafanzeige stellen sowie diesen auf Unterlassung, Auskunft und Geldentschädigung in Anspruch nehmen. Daneben sollte man die Portale und Homepagebetreiber, auf denen man die Bilder entdeckt hat, schriftlich, unter kurzer Fristsetzung auffordern die Bilder zu löschen. Kommen die Betreiber dieser Aufforderung nicht nach sollte man diese entweder abmahnen lassen oder direkt eine einstweilige Verfügung beantragen. In der Regel sollte man einen auf Persönlichkeitsrechtsverletzungen spezialisierten Anwalt hinzuziehen. Es handelt sich um ein sehr emotionales Thema, bei dem man vielleicht nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen trifft.

Tipp  an die Fotografen

Wenn man Nacktbilder bzw. Aktaufnahmen erstellt, sollte man sämtliche Punkte, insbesondere was die Form und Art der Veröffentlichung und Verbreitung angeht, genauestens schriftlich mit dem Model festhalten. So kann man zukünftigem Ärger aus dem Weg gehen. 

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Rechtsanwalt Tobias Röttger,
LL.M.

Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Röttger hat sich konsequent auf das geistige Eigentum, Social Media, die Persönlichkeitsrechte und das Medienrecht fokussiert. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt, ist Röttger als Blogger und YouTuber tätig.

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