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Nacktfotos und intime Bilder im Internet
Welche Rechte Betroffene haben und wie man sich wehren kann?

Veröffentlicht am

Es verbreitet sich im Internet nichts schneller und besser, als Fotos. In Sozialen Netzwerken wird mit Abstand am emisten Fotos und Bilder geteilt. Nacktbilder, intime Fotos und Videos und Sexfilme erfreuen sich enormer Beliebtheit im Internet. Leider werden die Nacktfotos und intimen Bilder nicht immer mit dem Einverständnis der abgebildeten Personen im Internet veröffentlicht. Sind Fotos erst mal im Internet, sind diese nur noch sehr schwer zu entfernen. Was die Täter zu befürchten und welche Ansprüche die Betroffenen haben und wie man sich wehren kann, erklären wir im Artikel. 

Wie kommen Nacktfotos und intime Bilder in das Internet?
Rachepornos oder selbstgewählter Exibitionismus

Entweder stellt man diese freiwillig ins Internet oder ein Dritter veröffentlicht die Nacktbilder ohne die notwendige Einwilligung des oder der Abgebildeten in Foren, den Sozialen Medien oder Pornoportalen (bspw. xHamster, Pornhub, etc.) ⇒ Videos aus xHamster löschen lassen – geht das?. Dies geschieht aus unterschiedlichen Gründen (Mobbing, Rache, Profitgier, etc.) ⇒ Racheporno / revenge porn im Internet – strafbar und abmahnfähig, Hausdurchsuchung, Beschlagnahme und Co. drohen!.

Habt die Zukunft im Auge
Nacktfotos im Internet können euch ein Leben lang verfolgen

Gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind mit der Veröffentlichung und Verbreitung von Nacktfotos und intimen Bilder wesentlich freizügiger geworden - Stichwort Sexting. Häufig macht man sich keinerlei Gedanken darüber, was für Konsequenzen eine solche Veröffentlichung haben kann. Insbesondere bei der Veröffentlichung von Nackt- und Intimbildern sollte man sich immer die Frage stellen, würde ich die Fotos auch meinen Eltern oder meinem Arbeitgeber zeigen? Ist ein Bild erst mal im Internet, besteht die theoretische Möglichkeit, dass dies jeder zu sehen bekommt. Das Gleiche gilt auch für peinliche Party und Exzess-Fotos ⇒ Peinliche Partybilder und Nacktbilder.

Darf man Nacktbilder und intime Bilder von Dritten ohne deren Einverständnis ins Internet stellen?
Achtung - strafbare Persönlichkeitsrechtsverletzung

Nein! Die Veröffentlichung und Verbreitung solcher Bilder stellt einen Eingriff in den Kernbereich (Intimsphäre) des Persönlichkeitsrechts des Abgebildeten dar. Insbesondere Nackt- und Intimbilder dürfen nur mit Einwilligung der Abgebildeten veröffentlicht und verbreitet werden. Intime Bilder und Videos ohne die Einwilligung der Abgebildeten an Dritte bspw. per Mail oder WhatsApp zu versenden oder gar im Internet oder den Sozialen Medien zu veröffentlichen ist eine Straftat und Persönlichkeitsrechtsverletzung. Wenn die Opfer dazu noch minderjährig sind, kann sich der Täter der Jugendpornografie (§ 184 c StGB) oder Kinderpornografie (§ 184 b StGB) strafbar machen.

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Was hat der Täter zu befürchten?

Macht man sich strafbar
wenn man ohne die Einwilligung des Abgebildeten Nackt- und Intimbilder im Internet veröffentlicht und verbreitet?

Ja! Zum einen ist das nach § 33 KUG eine strafbare Persönlichkeitsrechtsverletzung. Der Strafrahmen liegt bei Geldstrafe und Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen den §§ 22, 23 ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt.

Die Staatsanwaltschaft oder Polizei ermittelt aber nicht von alleine. Der oder die Geschädigte müssen Strafantrag stellen.

Wer Nacktbilder oder intime Fotos, auf denen sich die abgebildete Person in einer Wohnung oder in einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, verbreitet oder im Internet veröffentlicht, kann sich gem. § 201 a StGB strafbar machen - "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen"

Der Täter kann eine im Falle einer Verurteilung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren erhalten.

Ist auch das ungenehmigte Anfertigen von Nacktbildern verboten bzw. strafbar?

Ja! Wer heimlich oder ohne die Einwilligung des oder der Abgebildeten von diesen Nacktfotos oder intime Bilder anfertigt, kann sich § 201a StGB strafbar machen:

(1) Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Hiernach ist es verboten, wenn heimlich oder unfreiwillig Nacktaufnahmen in der Wohnung, auf Toiletten oder ähnlichen gegen Einblick besonders geschützten Räumen angefertigt werden. Hierunter fällt auch der Garten, wenn dieser bspw. durch eine Mauer oder eine Hecke vor den Blicken Dritter abgeschirmt ist.

Werden solche Aufnahmen an einem öffentlichen FKK-Strand oder in einer öffentlichen Sauna / Wellnessbereich angefertigt, liegt keine Strafbarkeit vor. Gleichwohl dürfen diese Aufnahmen nicht veröffentlicht und verbreitet werden, da dies eine Persönlichkeitsrechtsverletzung darstellt. Der oder die Betroffen kann sich in diesem Fall gegen den Täter mit zivilrechtlichen Mitteln zur Wehr setzen.

Zivilrechtliche Ansprüche gegen den Täter geltend machen!
Löschung, Unterlassung, Schadensersatz und Schmerzensgeld

Die ungenehmigte Verbreitung und Veröffentlichung von Nacktbildern stellt einen schweren Eingriff in das Persönlichkeitsrecht dar. Der Geschädigte hat gegenüber dem Täter unterschiedliche Ansprüche:

  • Löschung, Vernichtung der Bilder
  • Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung
  • Auskunft
  • Schadensersatz / Anwaltskosten
  • ggf. Schmerzensgeld

Schmerzensgeld
Geldentschädigung

In vielen Fällen steht ihm auch noch ein Geldentschädigungsanspruch (Schmerzensgeld) zu, der durchaus im fünfstelligen Bereich liegen kann. Bspw. hatte das Landgericht Kiel (Az.: 4 O 251 /05) einer Betroffenen eine Geldentschädigung von 25.000 € zugesprochen, weil ein Dritter unberechtigt Nacktbilder von ihr in eine Tauschbörse eingestellt hatte. Die hohe Summe wurde damit begründet, dass es ein großes Problem sei, dass die endgültige Entfernung von unberechtigt eingestellten erotischen Bilddateien aus dem Internet nicht möglich sei, da weder die Identität desjenigen festzustellen sei, der die Bilder herunterlädt, noch zu ermitteln sei, wer diese Bilder erneut ins Internet einstellen würde und damit seinerseits wieder zur Verbreitung freigäbe.

Weitere Urteile, in denen den Betroffenen bei der Verbreitung von Nacktbildern ein Schmerzensgeld zugesprochen wurde, findet ihr in den beiden nachfolgenden Artikel:

Muss der Ex-Partner nach Beendigung der Beziehung die Nacktfotos löschen?
Partner muss intime Fotos nach Beziehungsende löschen

Genau mit dieser Frage musste sich das LG und OLG Koblenz (Az.: 3 U 1288/13) und später der BGH (Az.: VI ZR 271/14) auseinandersetzen. Beide Instanzen sowie der BGH haben entschieden, dass die Abgebildete, sofern es sich um Nackt- und Intimbilder handelt, nach Beendigung einer Beziehung ein Anspruch auf vollständige Löschung der Bilder hat, auch wenn diese rechtmäßig hergestellt oder sogar an den Partner verschenkt worden sind. Der Schutz des Persönlichkeitsrechts überwiegt in diesen Fällen dem Eigentumsanspruch aus Art. 14 Abs. 1 Grundgesetz.

"Fertigt im Rahmen einer intimen Beziehung ein Partner vom anderen intime Bild- oder Filmaufnahmen, kann dem Abgebildeten gegen den anderen nach dem Ende der Beziehung ein Löschanspruch wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts zustehen, wenn er seine Einwilligung in die Anfertigung und Verwendung der Aufnahmen auf die Dauer der Beziehung - konkludent - beschränkt hat." - BGH, Urteil vom 13. Oktober 2015 - VI ZR 271/14

Allein aus der Existenz solcher Fotos und Filme folge die keineswegs auszuschließende Möglichkeit, dass die Aufnahmen auch ohne Zutun des ehemaligen Partners, zum Beispiel durch Entwendung von Rechnern und Speichermedien, in den Händen unbefugter Dritter gelangen und so auch unter von dem Beklagten nicht gewollten Umständen ihren Weg in die Öffentlichkeit finden könnten.

Zudem sei die Grundlage für die Erstellung der Fotos und Filme zwischenzeitlich entfallen, weil die Beziehung beendet sein. Die Einwilligung der Abgebildeten in die Anfertigung der betreffenden Nacktbilder schließt den Widerruf des Einverständnisses für die Zukunft nicht aus.

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So wehrt man sich gegen die Verbreitung von Nacktfotos im Internet
Beweise sichern, Rechtsanwalt kontaktieren und Strafanzeige stellen

Nacktbilder sind ein heikles Thema, mit denen man aus verschiedenen Gründen sehr vorsichtig umgehen sollte.

1. Beweis sichern

Wenn man von sich ungenehmigte Nacktbilder oder intime Bilder im Internet findet, sollte man sämtliche Beweise per Screenshot sichern – bspw. mit dem Tool ATOMSHOT.

2. Rechtsanwalt kontaktieren + Strafanzeige

In der Regel sollte man einen auf Persönlichkeitsrechtsverletzungen spezialisierten Anwalt hinzuziehen. Es handelt sich um ein sehr emotionales Thema, bei dem man vielleicht nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen trifft. Teilen sie dem Rechtsanwalt den kompletten Sachverhalt mit und übersenden Sie ihm die Beweise. Der Anwalt wird mit Ihnen gemeinsam abstimmen, ob es in ihrem Fall sinnvoll ist, Strafanzeige zu stellen. In der Regel macht es Sinn, Strafanzeige zu stellen. hat die besten Möglichkeiten, gegen den Täter zu ermitteln und Auskunft von den Plattformen über die hinterlegten Nutzerdaten und IP-Adressen zu bekommen. In vielen Fällen kommt es auch zu Hausdurchsuchungen bei den Tätern. Hierbei werden PCs, Laptops, Festplatten, Handys, etc. sichergestellt und ausgewertet. Teilweise kann auch der Mail-, Chat- und Internetverkehr des Täters nachvollzogen werden. Bestenfalls können die Ermittlungsbehörden feststellen, wo das Video überall veröffentlicht wurde.

Ist bekannt wer der Täter ist, wird der Rechtsanwalt den Täter abmahnen und zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung, Erteilung von Auskunft, Zahlung der Anwaltskosten und in vielen Fällen Zahlung von Schmerzensgeld auffordern. Die Anwaltskosten für die Abmahnung muss der Täter Ihnen erstatten.

Parallel geht der Rechtsanwalt gegen die Betreiber der Internetseiten (Foren, Pornoportale, Websites, etc.) vor und fordert diese zur sofortigen Löschung der intimen Fotos / Nacktbilder auf. Kommen die Websitebetreiber der Löschaufforderung nicht nach, haften diese auch dann, wenn nicht sie selbst, sondern ein Dritter die Nacktfotos auf der Website veröffentlicht haben. In diesem Fall kann man von diesen dann auch eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und Schadensersatz einfordern.

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Tipp an die Fotografen

Wenn man Nacktbilder bzw. Aktaufnahmen erstellt, sollte man sämtliche Punkte, insbesondere was die Form und Art der Veröffentlichung und Verbreitung angeht, genauestens schriftlich mit dem Model festhalten ⇒ Model Release Vertrag - Wie können sich Fotograf und Model rechtlich schützen? So kann man zukünftigem Ärger aus dem Weg gehen.

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Ansprechpartner
Rechtsanwalt Tobias Röttger, LL.M.

Tobias Röttger

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Rechtsanwalt Tobias Röttger, Medienrecht LL.M. – zertifizierter Datenschutzbeauftragter

Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger rechtsanwälte. Tobias Röttger hat sich konsequent auf das geistige Eigentum, Social Media, die Persönlichkeitsrechte, Medienrecht und sich die daraus ergebenden Datenschutzprobleme fokussiert. Rechtsanwalt Röttger ist zertifizierter Datenschutzbeauftragter TÜV©.

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